Arbeitsmarkt Hessen September 2026: Was die Zahlen für Fulda und Osthessen bedeuten
Der 65. Hessische Regionaldatenreport zeigt: Erstmals sinkt die Beschäftigung in Hessen, die Industrie baut weiter ab – und in Fulda geht die Arbeitslosigkeit zurück. Die wichtigsten Zahlen für Hessen und den Kreis Fulda – mit Einordnung für die Personalgewinnung.
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Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Hessen: Erstmals weniger Beschäftigte als im Vorjahr
- Mehr Akademikerinnen und Akademiker auf Jobsuche
- Arbeitslosigkeit: Rückgang in beiden Rechtskreisen
- Fulda und Osthessen im Detail
- Ausbildungsmarkt: Neue Zahlen erst Ende Oktober
- Was Arbeitgeber daraus ableiten können
- Häufige Fragen zum Arbeitsmarkt Hessen und Fulda
- Quelle, Herausgeber und Methodik
Quellenhinweis: Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus dem 65. Hessischen Regionaldatenreport (Datenstand Ende September 2026), herausgegeben vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt am Main, gefördert vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales im Rahmen des ESF. Datengrundlage: Statistik der Bundesagentur für Arbeit. ABConsult ist weder Herausgeber noch an der Erstellung beteiligt; von uns stammen ausschließlich die Auswahl, die Einordnung und die Handlungsempfehlungen.
Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt veröffentlicht monatlich den Hessischen Regionaldatenreport. Die 65. Ausgabe (Datenstand Ende September 2026) liefert einen Befund, der im Vormonat noch nicht sichtbar war: Die Zahl der Beschäftigten in Hessen ist erstmals im Betrachtungszeitraum seit 2023 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Wir ordnen die Zahlen aus Sicht der Personalgewinnung ein — landesweit und mit Blick auf Fulda und Osthessen. Die Zahlen des Vormonats finden Sie in unserem Beitrag Arbeitsmarkt Hessen August 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Hessen zählte im Juli 2026 rund 3,08 Millionen Beschäftigte — etwa 12.000 weniger als ein Jahr zuvor (−0,4 Prozent).
- Das Verarbeitende Gewerbe verlor innerhalb eines Jahres rund 12.600 Beschäftigte (−2,9 Prozent), seit Juli 2023 sind es über 30.000 (−7 Prozent).
- Die Zahl der Arbeitslosen mit Studienabschluss liegt bei 23.632 — 63 Prozent mehr als im September 2022.
- Im September sank die Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen. Im Kreis Fulda gingen die Zugänge in die Grundsicherung (SGB II) um 18,2 Prozent zurück, nachdem sie im August noch um 27 Prozent gestiegen waren.
Hessen: Erstmals weniger Beschäftigte als im Vorjahr
Seit dieser Ausgabe misst der Report die Beschäftigung jeweils im Juli (zuvor im Juni). Die Werte sind deshalb nicht eins zu eins mit unserem August-Beitrag vergleichbar, zeigen aber dasselbe Muster — nur deutlicher: Wenige Branchen wachsen, die Industrie und industrienahe Bereiche schrumpfen.
| Wirtschaftszweig | Beschäftigte Juli 2026 | Veränderung zum Vorjahr | Veränderung seit Juli 2023 |
|---|---|---|---|
| Gesundheits- und Sozialwesen | 427.900 | +10.395 (+2,5 %) | +7 % |
| Öffentliche Verwaltung | 180.800 | +1.383 (+0,8 %) | +6 % |
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | 159.100 | +1.495 (+0,9 %) | +5 % |
| Gastgewerbe | 131.400 | +968 (+0,7 %) | +4 % |
| Verkehr und Lagerei | 224.200 | −1.983 (−0,9 %) | +3 % |
| Erziehung und Unterricht | 124.400 | −1.453 (−1,2 %) | +2 % |
| Wirtschaftliche Dienstleistungen (ohne Arbeitnehmerüberlassung) | 490.200 | −4.481 (−0,9 %) | +1 % |
| Handel und Kfz-Reparatur | 409.500 | −5.574 (−1,3 %) | −2 % |
| Baugewerbe | 153.300 | −210 (−0,1 %) | −2 % |
| Information und Kommunikation | 124.900 | −459 (−0,4 %) | −3 % |
| Verarbeitendes Gewerbe | 423.500 | −12.605 (−2,9 %) | −7 % |
| Hessen gesamt | 3.082.200 | −12.009 (−0,4 %) | +0,5 % |
Quelle: 65. Hessischer Regionaldatenreport, IWAK Goethe-Universität Frankfurt (Datenstand September 2026), Tab. 1; Veränderung zum Vorjahr eigene Berechnung. Datengrundlage: Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Beschäftigte = sozialversicherungspflichtig und ausschließlich geringfügig Beschäftigte; Werte für Juli 2026 hochgerechnet und vorläufig.
Neu ist, dass der Abbau inzwischen auch Bereiche erfasst, die bis 2025 noch gewachsen sind: Verkehr und Lagerei, wirtschaftliche Dienstleistungen sowie Erziehung und Unterricht verloren zwischen Juli 2025 und Juli 2026 jeweils rund ein Prozent ihrer Beschäftigten. In der öffentlichen Verwaltung und im Gastgewerbe flacht das Wachstum ab. Nennenswert zugelegt hat nur noch das Gesundheits- und Sozialwesen.
Wie stark Betriebe Personal freisetzen, zeigt ein zweiter Indikator: Im Juni 2026 wurden in Hessen je 1.000 Beschäftigte 3,5 Personen aus Betrieben arbeitslos, aber nur 2,3 Arbeitslose in Betriebe eingestellt (jeweils Arbeitslosenversicherung, SGB III). Das gilt für alle betrachteten Branchen. Am größten ist die Lücke im Verarbeitenden Gewerbe (3,3 Austritte zu 1,5 Eintritten), im Handel (3,8 zu 2,0) und im Gastgewerbe (4,5 zu 2,7).
Mehr Akademikerinnen und Akademiker auf Jobsuche
Von allen Qualifikationsgruppen ist die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Studienabschluss am stärksten gestiegen.
| Arbeitslose in Hessen | September 2022 | September 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| mit Studienabschluss | 14.533 | 23.632 | +63 % |
| mit Berufsabschluss | 46.057 | 57.766 | +25 % |
| ohne Berufsabschluss | 107.954 | 129.521 | +20 % |
| darunter mit Studienabschluss: direkt nach dem Studium arbeitslos | 530 | 831 | +57 % |
Quelle: 65. Hessischer Regionaldatenreport, IWAK Goethe-Universität Frankfurt (Datenstand September 2026), Tab. 3; Datengrundlage: Sonderauswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit.
Ein vorsichtig positives Signal: Die Zahl derjenigen, die direkt nach dem Studium arbeitslos werden, ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken (von 870 auf 831). Ob sich der Berufseinstieg für Absolventinnen und Absolventen dauerhaft entspannt, bleibt abzuwarten. Für Arbeitgeber heißt das schon jetzt: Hochqualifizierte sind so gut verfügbar wie lange nicht.
Arbeitslosigkeit: Rückgang in beiden Rechtskreisen
Im September 2026 sank die Zahl der Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung (SGB III) in Hessen um rund 2.400 auf 78.170. In der Grundsicherung (SGB II) ging sie um rund 2.000 auf 132.233 zurück. In beiden Rechtskreisen erreichten die Abgänge aus Arbeitslosigkeit den höchsten Stand der vergangenen drei Jahre.
| Hessen | August 2026 | September 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Zugänge SGB III | 22.876 | 22.172 | −3,1 % |
| Abgänge SGB III | 23.646 | 23.751 | +0,4 % |
| Zugänge SGB II | 22.953 | 21.849 | −4,8 % |
| Abgänge SGB II | 22.381 | 24.727 | +10,5 % |
Quelle: 65. Hessischer Regionaldatenreport, IWAK Goethe-Universität Frankfurt (Datenstand September 2026), Tab. 4 und 5; Datengrundlage: Statistik der Bundesagentur für Arbeit.
Einordnung: Die Monatswerte sind nicht saisonbereinigt. Der September ist mit Ausbildungs- und Semesterbeginn traditionell ein Monat mit vielen Abgängen aus Arbeitslosigkeit. Ein einzelner Monat ist deshalb noch keine Trendwende.
Fulda und Osthessen im Detail
Im Kreis Fulda hat sich das Bild gegenüber August gedreht. Damals stiegen die Zugänge in die Grundsicherung (SGB II) um 27,0 Prozent. Im September sanken sie um 18,2 Prozent (593 auf 485), während die Abgänge um 14,7 Prozent zunahmen (572 auf 656). In beiden Rechtskreisen verließen damit mehr Menschen die Arbeitslosigkeit, als neu hinzukamen: im SGB III 23, im SGB II 171.
| Region (August → September 2026) | Zugänge SGB III | Abgänge SGB III | Zugänge SGB II | Abgänge SGB II |
|---|---|---|---|---|
| Kreis Fulda | 769 → 731 (−4,9 %) | 821 → 754 (−8,2 %) | 593 → 485 (−18,2 %) | 572 → 656 (+14,7 %) |
| Kreis Hersfeld-Rotenburg | 416 → 420 (+1,0 %) | 471 → 443 (−5,9 %) | 280 → 305 (+8,9 %) | 253 → 307 (+21,3 %) |
| Vogelsbergkreis | 356 → 346 (−2,8 %) | 362 → 379 (+4,7 %) | 275 → 256 (−6,9 %) | 239 → 305 (+27,6 %) |
| Main-Kinzig-Kreis | 1.090 → 1.026 (−5,9 %) | 1.127 → 1.162 (+3,1 %) | 1.379 → 1.256 (−8,9 %) | 1.523 → 1.410 (−7,4 %) |
| Hessen | −3,1 % | +0,4 % | −4,8 % | +10,5 % |
Quelle: 65. Hessischer Regionaldatenreport, IWAK Goethe-Universität Frankfurt (Datenstand September 2026), Tab. 4 und 5; Datengrundlage: Statistik der Bundesagentur für Arbeit.
Auch in den Nachbarkreisen überwogen im September die Abgänge — in Hersfeld-Rotenburg und im Vogelsbergkreis besonders deutlich in der Grundsicherung. Für Betriebe in Osthessen bedeutet das: Der regionale Arbeitsmarkt bleibt aufnahmefähig, das verfügbare Bewerberpotenzial wächst derzeit nicht.
Ausbildungsmarkt: Neue Zahlen erst Ende Oktober
Zum Ausbildungsmarkt enthält die 65. Ausgabe keine neuen Daten, sondern weiterhin den Stand Ende August. Danach blieben in Hessen 6.330 von 27.895 gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt (22,7 Prozent), während 9.025 Bewerberinnen und Bewerber noch unversorgt waren. Die höchsten Anteile unbesetzter Stellen gab es im Verkauf von Lebensmitteln (46,6 Prozent), in der Gastronomie (40,8 Prozent) und im Hochbau (37,5 Prozent). Die Zahlen für den Kreis Fulda finden Sie in unserem Beitrag zum August. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht die Septemberwerte Ende Oktober.
Was Arbeitgeber daraus ableiten können
- Fachkräfte aus der Industrie gezielt ansprechen. Allein im Verarbeitenden Gewerbe arbeiten 12.600 Menschen weniger als vor einem Jahr, und in allen Branchen werden mehr Beschäftigte freigesetzt als eingestellt. Wer Quereinstiege ermöglicht und Erfahrung aus Produktion, Technik oder Logistik wertschätzt, erschließt ein Potenzial, das vor zwei Jahren kaum verfügbar war.
- Akademikerinnen und Akademiker aktiv suchen. Mit 23.632 arbeitslosen Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist das Angebot so groß wie lange nicht. Active Sourcing und klar beschriebene Einstiegs- oder Traineeprogramme lohnen sich jetzt besonders.
- Im Gesundheits- und Sozialwesen den Wettbewerb ernst nehmen. Die Branche ist der einzige große Wachstumsmotor. Hier konkurrieren Arbeitgeber weiter um knappe Fachkräfte — Arbeitgebermarke und schnelle Bewerbungsprozesse entscheiden.
- Monatszahlen nicht überbewerten. Ein Beispiel: Im Main-Taunus-Kreis stiegen die SGB-II-Zugänge im August um 105 Prozent und sanken im September um 48 Prozent. Personalplanung sollte auf Jahrestrends beruhen, nicht auf einzelnen Monaten.
Häufige Fragen zum Arbeitsmarkt Hessen und Fulda
Wie hat sich die Arbeitslosigkeit im Kreis Fulda im September 2026 entwickelt?
Im Kreis Fulda verließen im September 2026 in beiden Rechtskreisen mehr Menschen die Arbeitslosigkeit, als neu hinzukamen. Die Zugänge in die Grundsicherung (SGB II) sanken um 18,2 Prozent auf 485, die Abgänge stiegen um 14,7 Prozent auf 656. In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) gingen die Zugänge um 4,9 Prozent auf 731 zurück.
Sinkt die Beschäftigung in Hessen?
Ja, leicht. Im Juli 2026 gab es in Hessen rund 3.082.200 Beschäftigte, etwa 12.000 weniger als im Juli 2025 (−0,4 Prozent). Am stärksten ist der Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe mit −2,9 Prozent zum Vorjahr; das Gesundheits- und Sozialwesen wuchs dagegen um 2,5 Prozent.
Wie viele Akademiker sind in Hessen arbeitslos?
Im September 2026 waren in Hessen 23.632 Menschen mit Studienabschluss arbeitslos gemeldet, 63 Prozent mehr als im September 2022. Direkt nach dem Studium arbeitslos wurden 831 Personen, etwas weniger als im Vorjahr (870).
Woher stammen die Daten in diesem Artikel?
Alle Zahlen stammen aus dem 65. Hessischen Regionaldatenreport des IWAK der Goethe-Universität Frankfurt, dessen Datengrundlage die Statistik der Bundesagentur für Arbeit ist. Von ABConsult stammen ausschließlich Auswahl, Einordnung und die Handlungsempfehlungen.
Quelle, Herausgeber und Methodik
Herausgeber der Daten: Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Eschersheimer Landstraße 121, 60322 Frankfurt am Main — www.iwak-frankfurt.de.
Publikation: 65. Hessischer Regionaldatenreport „Indikatoren zur Einschätzung regionaler Arbeitsmarktlagen in Hessen“, Datenstand Ende September 2026. Die Erstellung wird vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales im Rahmen der ESF-Förderung unterstützt. Datengrundlage sind öffentliche Statistiken der Bundesagentur für Arbeit; die Beschäftigtenwerte für Juli 2026 sind hochgerechnete, vorläufige Werte. Seit Ausgabe 64 vergleicht der Report die Beschäftigung nur noch einmal jährlich; in dieser Ausgabe jeweils im Monat Juli (2023 bis 2026).
Hinweis zur Auswertung: An einzelnen Stellen weicht der Fließtext des Reports von seinen Tabellen ab (zum Beispiel bei den SGB-III-Abgängen der Stadt Darmstadt und des Werra-Meißner-Kreises). Wir verwenden durchgehend die Tabellenwerte und haben die Prozentangaben nachgerechnet. Veränderungen zum Vorjahr in der Branchentabelle sind eigene Berechnungen auf Basis der Report-Tabellen.
Anteil von ABConsult: Wir geben die Zahlen auszugsweise und mit Quellenangabe wieder. Der Report selbst ist beim IWAK abrufbar. Von ABConsult stammen ausschließlich die Auswahl der Kennzahlen, die Einordnung für Fulda und Osthessen sowie die Handlungsempfehlungen für die Personalgewinnung.

Über den Autor
Alexander Baumann, Gründer und Geschäftsführer ABConsult
Alexander Baumann berät seit 1993 Unternehmen im DACH-Raum zu Recruiting, Personalmarketing und Personalmanagement. Als Gründer und Geschäftsführer von ABConsult verbindet er Beratungspraxis mit nationaler und internationaler Managementerfahrung.
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